Neue Perspektiven beim Blick auf das eigene Viertel

Neue Perspektiven beim Blick auf das eigene Viertel
Empowerment: In Berlin arbeitet das Projekt kiez:story mit Jugendlichen
Fatma Sayan

Junge Menschen werden stärker wahrgenommen in der Vielfaltsgesellschaft. Haben sie eine Migrationsgeschichte oder gehören sie einer Minderheit an, erfahren sie jedoch weiterhin Benachteiligung, Rassismus, Hass. Es ist die Aufgabe von Politik und Gesellschaft, junge Menschen zu unterstützen, damit die ihre Interessen selbstbestimmt, eigenmächtig und wirksam vertreten können, damit sie gesellschaftlich und politisch teilhaben können. Der Begriff "Empowerment" bezeichnet Maßnahmen und Strategien, die genau das erreichen wollen. Ein Beispiel für eine Empowerment-Initiative ist das Projekt kiez:story.

Wichtig ist die Perspektive der Jugendlichen

Wir arbeiten bei kiez:story mit Fotografie und Oral History, aber vermitteln auch Kompetenzen wie die Interviewführung entlang verschiedener Methoden aus der Feldforschung. Wichtig ist immer dabei, die Perspektive der Jugendlichen – auf die eigene Familie, aber auch auf ihre Lebenswelt. Kiez:story ist ein Kooperationsprojekt der beiden Vereine ufuq.de und mediale pfade.org – Verein für Medienbildung e.V.. Das Projekt ist 2020 als Modellprojekt gestartet, es wird hauptsächlich über das Bundesprogramm "Demokratie Leben!" und auch von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

Ein Beispiel für die Ergebnisse von kiez:story ist das Miniprojekt "Meine Story", bei dem fünf Jugendliche Familienmitglieder interviewt und den Prozess sowie die Ergebnisse festgehalten haben.

Kiez:story wird in vier Berliner Schul-AGs angeboten. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass wir die Jugendlichen ein ganzes Schuljahr begleiten können. Das gibt uns Zeit, um eine Bindung und Vertrauen aufzubauen, da wir sehr viel autobiografisch und narrativ arbeiten und damit auf emotionale oder intensivere Themen einzugehen. Daher ist es uns auch wichtig, dass unsere Teamer*innen genauso bereit sind, ihre Geschichten zu erzählen.

Wir geben den Jugendlichen die Möglichkeit, selbstbestimmte Rollen einzunehmen, indem sie sich mit ihrer eigenen und der Geschichte ihrer Kieze auseinandersetzen und somit sich selbst darin verorten können. Wir wollen die Perspektiven sichtbar machen, die sonst oft unsichtbar bleiben, die aber auch Teil unserer Gesellschaft sind. Wir wollen zeigen, dass unsere Geschichte so viel mehr ist, als was uns vermittelt wird. Denn jede*r ist Experte seiner eigenen Geschichten und diese vielen, eigenen müssen erzählt und gehört werden.

Was bedeutet ihr Kiez für sie? Wo begegnen sie sich, wo verbringen sie ihre Zeit? Und wie weit gehen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung auseinander? Wer hinterlässt welche Spuren? Bei solchen Fragen kommen wir auch nicht an Themen wie Migration, Gentrifizierung oder Diskriminierung vorbei. Ein Beispiel für die Ergebnisse von kiez:story ist das Miniprojekt "Meine Story", bei dem fünf Jugendliche Familienmitglieder interviewt und den Prozess sowie die Ergebnisse festgehalten haben.

Fatma Sayan
Foto: privat

Fatma Sayan ist Koordinatorin im Ufuq-Projekt kiez:story. Sie arbeitet ebenso als freie Referentin im Bereich Antisemitismus und Rassismus und hat langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit und politischen Jugendbildung.

Kontakt: fatma.sayan@ufuq.de

Weitere Informationen

Der Verein ufuq.de mit Sitz in Berlin ist ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und in der politischen Bildung und Prävention zu den Themen Islam, antimuslimischem Rassismus und universeller Islamismusprävention aktiv. "ufuq" ist ein arabisches Wort und bedeutet "Horizont". Mit seinen Beratungs- und Fortbildungsangeboten, Materialien, der vielfältigen Projektarbeit, Expertise und Erfahrungen ist der Verein, der auch eine Fachstelle in Bayern hat, Ansprechpartner auch für Organisierende der Interkulturellen Woche, die Veranstaltungen zu seinen Themen in ihr Programm aufnehmen möchten.

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