Als Rabia erfährt, dass die einzige Schule ihres Dorfes geschlossen wird, beginnt sie nach den Gründen zu suchen. Während die Jungs künftig eine Schule im Nachbardorf besuchen können, bleibt den Mädchen diese Möglichkeit verwehrt. Auf der Suche nach Antworten durchquert Rabia das Dorf und befragt die Erwachsenen. Doch statt Klarheit trifft sie auf Schweigen, Ausflüchte und ein Gerücht: Die Schule sei verflucht und der Lehrer von einem Dschinn besessen. Je hartnäckiger sie nachfragt, desto stärker beginnt sie an den Geschichten zu zweifeln, die die Schließung der Schule erklären sollen. Ist an dem Gerücht über die verfluchte Schule etwas dran oder verschleiert es eine ganz andere Wahrheit?
Inspiriert von Abbas Kiarostamis "Wo ist das Haus meines Freundes?" wird die beharrliche Suche einer jungen Protagonistin zum Ausgangspunkt einer Erkundung gesellschaftlicher Verhältnisse. Aus einer scheinbar einfachen Frage entwickelt sich eine Reise durch ein Labyrinth aus Aberglauben, Autorität und Korruption. Die Perspektive eines Kindes wird dabei zum präzisen Instrument, um die Widersprüche der Gemeinschaft sichtbar zu machen.
"Ghost School" ist eine Auseinandersetzung mit der systemischen Korruption im ländlichen Pakistan, wo Hunderte sogenannter "Geisterschulen" nur auf dem Papier existieren und Millionen von Kindern keinen Zugang zu Bildung haben. Diese Schulen stehen verlassen, während Beamte und Lehrkräfte weiterhin Gehälter beziehen. Ein Kreislauf aus Armut und Unwissenheit wird so aufrechterhalten. Erzählt aus der Perspektive eines neugierigen und mutigen Mädchens, zeigt der Film die Unschuld und Entschlossenheit eines Kindes, das die Ungerechtigkeit um sich herum hinterfragt.
Der Begriff "Ghost School" ist im postkolonialen Pakistan ein englischer Ausdruck, weil die gebildete, englischsprachige Elite seine Bedeutung kennt und dennoch kaum etwas unternimmt, um diese Korruption zu bekämpfen. Da unsere junge Protagonistin die Täuschung nicht versteht, bietet der Film einen Zugang, um das zugrunde liegende Thema der Korruption sowie die Unsicherheit zu verhandeln, die das Leben so vieler Kinder in Pakistan prägt.
"Ghost School ist ein kraftvoller Weckruf, weiterhin Fragen zu stellen und aktiv Situationen zu hinterfragen, die unseren Gemeinschaften und uns selbst schaden … er lässt das Publikum mit dem Gefühl zurück, dass gerade die Reise und der Kampf uns Hoffnung geben – selbst in den dunkelsten Zeiten."
Alliance of Women Film Journalists
Inspiriert ist der Film von Abbas Kiarostamis "Wo ist das Haus meines Freundes"?, der aus der Perspektive eines Kindes innerhalb des Mikrokosmos eines Dorfes erzählt wird. Obwohl die Weltöffentlichkeit auf die Schließung von Mädchenschulen aufmerksam wurde, als Malala von den Taliban angegriffen wurde, bleibt das größere Problem der Bildung von Kindern weitgehend unsichtbar. Der Film ist eine visuelle Metapher für Unsicherheit und das Unbekannte innerhalb des korrupten politischen Systems Pakistans. Die Welt aus der Perspektive eines Kindes zu zeigen, ist besonders im südasiatischen Kino selten. Deshalb ist dies ein einzigartiger Film mit dem Potenzial, ein großes Publikum zu erreichen.
"Ghost School" ist der Debüt-Spielfilm der Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Seemab Gul. Er feierte seine Weltpremiere beim Internationalen Filmfestival Toronto 2025 und seine Deutschlandpremiere im Februar 2026 bei der Berlinale im Wettbewerb Generation Kplus. Seemab Gul hat "Ghost School" innerhalb weniger Monate selbst geschrieben und produziert. Ein beeindruckendes Beispiel für unabhängiges Filmemachen und eine starke neue Stimme aus Pakistan.
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