Quelle: Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA
Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA verzeichnet in ihrem 4. Jahresbericht für 2025 eine erneute dramatische Zunahme der erfassten antiziganistischen Vorfälle in Deutschland. In dem am 9. Juni 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert MIA bundesweit 2.076 antiziganistische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr (1.678 Vorfälle) entspricht dies einem Anstieg von 24 Prozent. Die Zahlen basieren auf der bundesweiten Arbeit der MIA-Bundesgeschäftsstelle sowie der sechs regionalen Meldestellen in Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein.
"Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Antiziganismus in Deutschland kein Randproblem ist, sondern alltägliche, gesellschaftliche Realität."
MIA-Geschäftsführer Dr. Guillermo Ruiz
Dr. Guillermo Ruiz, Geschäftsführer von MIA e.V., erklärt: "Die von MIA dokumentierten Vorfälle sind weiterhin sehr besorgniserregend. Unsere Zahlen zeigen deutlich, dass Antiziganismus in Deutschland kein Randproblem ist, sondern alltägliche, gesellschaftliche Realität. Immer mehr Sinti, Roma und andere von Antiziganismus betroffene Menschen berichten über eine stetige Zunahme von Diskriminierung, Beleidigungen, Anfeindungen und Gewalt. Gerade in Zeiten zunehmender rechter Mobilisierung müssen demokratische Parteien und Institutionen klar Haltung zeigen."
Besonders alarmierend ist, dass bei jedem dritten direkt adressierten Vorfall Kinder und Jugendliche betroffen sind. Durch das frühe Erleben von Antiziganismus wird ihnen noch vor dem Erwachsenenalter gleichberechtigte Teilhabe verwehrt. Somit wird das Risiko von lebenslanger Benachteiligung und immer wiederkehrenden Diskriminierungserfahrungen erhöht. Dies beginnt bereits in der Schule. MIA erhält regelmäßig Meldungen über antiziganistisches Mobbing und Diskriminierungen durch Mitschüler*innen und Lehrkräfte.
Die steigende Zahl dokumentierter Vorfälle zeigt einerseits, dass antiziganistische Einstellungen und Angriffe auf einem konstant hohen Niveau bleiben. Andererseits macht sie deutlich, dass immer mehr Betroffene den Mut finden, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen und sich gegen Antiziganismus zu wehren. Das gewachsene Netzwerk von MIA und die zunehmende Bekanntheit der Meldestellen tragen dazu bei, dass das Dunkelfeld antiziganistischer Vorfälle besser erhellt werden kann.
"Antiziganismus darf nicht länger verharmlost oder übersehen werden. Sichtbarkeit ist eine notwendige Voraussetzung für Veränderung."
MIA-Geschäftsführer Dr. Guillermo Ruiz
Der thematische Schwerpunkt des Jahresberichts liegt auf "Antiziganismus und Wohnen". Seit Beginn der Vorfallerfassung erreichten MIA mehr als 900 Vorfälle im Wohnkontext. Betroffene berichten von antiziganistischen Beleidigungen und Angriffen durch Nachbar*innen, Diskriminierung durch Vermieter*innen sowie Benachteiligungen bei der Wohnungssuche. Für viele Betroffene ist die eigene Wohnung kein Rückzugs- und Schutzraum, sondern ein Ort der Angst und Unsicherheit. Der MIA-Bericht macht deutlich, wie tief antiziganistische Ausgrenzung auch im Bereich Wohnen verankert ist und welche gravierenden Folgen dies für das Leben der Betroffenen hat.
MIA-Geschäftsführer Dr. Guillermo Ruiz betont: "Antiziganismus darf nicht länger verharmlost oder übersehen werden. Die hohe Zahl dokumentierter Vorfälle zeigt, wie dringend wirksamere Maßnahmen gegen Antiziganismus umgesetzt werden müssen. Dies gilt insbesondere für die Empfehlungen des vor fünf Jahren vorgelegten Berichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus. MIA muss durch eine institutionelle Förderung gesichert werden, damit Antiziganismus weiter sichtbar gemacht wird und Betroffene Unterstützung erhalten. Sie dürfen mit ihren Erfahrungen nicht allein gelassen werden. Sichtbarkeit ist eine notwendige Voraussetzung für Veränderung."