Austausch ohne Hierarchie bei "Sprechen & Zuhören"

Bei "Sprechen & Zuhören" spricht immer eine Person für vier Minuten, während die anderen nur zuhören.
Austausch ohne Hierarchie bei "Sprechen & Zuhören"
In dem Dialogformat des Vereins "Mehr Demokratie" hat jeder gleich viel Redezeit

Wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, dass Ihnen wirklich zugehört wird?

"Sprechen & Zuhören" ist ein vom Verein Mehr Demokratie entwickeltes Dialogformat. Die Teilnehmenden erfahren darin einen hierarchiefreien Austausch, in dem das eigene Erleben mitgeteilt werden kann. Dies wird dadurch erreicht, dass jede Person gleich viel Redezeit bekommt. Nacheinander spricht immer eine Person für vier Minuten, während die anderen nur zuhören.

Ohne dass direkt Emotionen ausgesprochen werden müssen, werden dabei doch Empfindungen spürbar. Dadurch bekommen alle ein Gefühl dafür, "wo der oder die andere steht". Beim Zuhören entsteht Empathie und Respekt, insbesondere dann, wenn wir Ähnlichkeiten zu eigenen Erfahrungen erkennen. Nach mehreren Gesprächsrunden sind sich die Beteiligten bewusster geworden, wie sie in der Tiefe zu einem Thema stehen. Sie haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass eine demokratische Verständigung möglich ist. Das führt häufig zu mehr Gelassenheit, Entspannung und Zuversicht. 

Das Format ist eine gute Vorbereitung für sachliche und inhaltliche politische Arbeit. Es ist empfehlenswert, das Format auch in bestehenden Arbeitsgruppen regelmäßig zu praktizieren, denn es erhöht das Vertrauen untereinander und verbessert die Zusammenarbeit.

Das Dialogformat kurz erklärt

Das Dialogformat ist leicht durchführbar und eine einfache Möglichkeit, um das demokratische Miteinander zu stärken. In Dreier- oder Vierergruppen sprechen Menschen nach einfachen Regeln darüber, wie es ihnen in Bezug auf ein bestimmtes gesellschaftliches Thema geht. Vergangene Veranstaltungen beschäftigten sich z. B. mit den Klimaprotesten, dem Ukraine-Krieg und dem Umgang mit der AfD. Hier sind die wichtigsten Merkmale des Formats:

  • Menschen sprechen in Kleingruppen à 4 Personen zu einer Frage.
  • Jede Person spricht gleich lang: 4 Minuten.
  • Es wird nacheinander gesprochen, reihum ohne Unterbrechungen und Zwischenfragen.
  • Dieselben 4 Personen sprechen je dreimal, d. h. es gibt drei Gesprächsrunden.
  • Es gibt eine Frage (Beispiele s. nächste Seite) für alle drei Runden.

Sprechen & Zuhören ist einfach zu verstehen und in kurzer Zeit durchführbar. Unabhängig von der Gruppengröße kann es in gut 60 Minuten durchlaufen werden. Die positive Wirkung unter den Beteiligten ist erstaunlich. Das Format schafft Entspannung, Offenheit und Verbundenheit bei den allermeisten Teilnehmenden. Dadurch wird eine darauf folgende sachlich-inhaltliche Diskussion leichter, konstruktiver und produktiver.

Regeln

Die Regeln für die sprechenden und zuhörenden in den Kleingruppen sind einfach, aber wichtig. 

Für die sprechende Person:

  • Ich-Aussagen, d. h. ich spreche von mir, von meinen Erfahrungen und Empfindungen
  • Keine Bewertung dessen, was andere gesagt haben
  • Redepausen sind ok

Für die zuhörende Person:

  • Keine Rückfragen oder Unterbrechungen
  • Selbstbeobachtung, d. h. ich beobachte, wie ich innerlich reagiere bzw. mein Körper auf das Gehörte reagiert

Ablauf einer typischen Dialogveranstaltung mit Sprechen & Zuhören 

  1. Begrüßung, inhaltliche Einführung und Erläuterung des Formats
  2. Drei Gesprächsrunden in Kleingruppen von 3 oder 4 Personen mit 4 Minuten Sprechzeit pro Person pro Runde
  3. Rückkehr in die große Runde (Plenum) und Hören von einzelnen Stimmen und Eindrücken aus den Kleingruppen
Infos
Kontakt

Judith Strasser
Co-Leitung Demokratische Kultur
E-Mail: judith.strasser@mehr-demokratie.de