Das war der IKW-Auftakt in Leipzig

Das Fest unter dem Motto "Leipzig feiert Vielfalt" fand auf dem Thomaskirchhof statt.

Das war ein ganz starkes Zeichen für Vielfalt, Offenheit und Zusammenhalt: Der bundesweite Auftakt zur Interkulturellen Woche 2026 in Leipzig war ein voller Erfolg. Das Fest unter dem Motto "Leipzig feiert Vielfalt" versammelte Akteure aus der Zivilgesellschaft, die sich präsentieren konnten, das bunte Bühnenprogramm war abwechslungsreich – und das Wetter hätte besser nicht sein können.

Stellvertretend für die 50 Veranstaltenden und die fast 100 Events, die im Rahmen der IKW in Leipzig stattfinden, präsentieren sich auf dem Vielfaltsfest 25 Akteure auf dem Thomaskirchhof. Ab 12 Uhr war der Platz gefüllt, und das blieb den ganzen Tag so, bis die "Batiar Gang" das Publikum am Abend mit einem grandiosen Konzert noch mal so richtig in Bewegung brachte und einen perfekten Schlusspunkt setzte.

Dr. Beate Sträter, die Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses zur Interkulturellen Woche, richtete in ihrem Grußwort den Fokus auf die vielen Aktiven, die im ganzen Land Interkulturelle Wochen organisieren: "Sie engagieren sich nicht nur in dieser Woche, sondern auch im Rest des Jahres stetig und unermüdlich: Für ein friedliches Zusammenleben, für den Schutz unserer Demokratie, für den Schutz von Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind." Es müsse nun darum gehen, "dass wir unsere Verbindungen und Netzwerke noch viel mehr stärken, dass wir füreinander einstehen und auch ganz konkrete Hilfe leisten, wo das nötig ist, dass wir uns gemeinsam wehren, wenn Menschenrechtsarbeit und Einsatz für die Demokratie zerstört werden soll. Dass wir alles öffentlich machen und dokumentieren." Sträter endete mit Blick auf die Feierlichkeiten in Leipzig hoffnungsvoll: "Es gibt nichts Besseres gegen den Hass, als ein Fest zu feiern, bei dem die Freude und die Freundlichkeit, das Miteinander spürbar und sichtbar werden."

Dr. Skadi Jaennicke, Kulturbürgermeisterin von Leipzig, sagte zum bundesweiten IKW-Slogan "dafür!": "Das ist ein ziemlich kluges Motto. Denn wir leben gerade in einer Zeit, in der sehr viel darüber gesprochen wird, wogegen man ist. Da ist ein einfaches Wort wie 'dafür' fast schon eine kleine politische Zumutung. Denn 'dafür' verlangt eine Antwort, mit der man sich selbst ein Stück offenbaren muss: Wofür bist du eigentlich? In Leipzig haben wir in diesem Jahr 98 Antworten darauf. 98 Veranstaltungen in vier Wochen – und jede einzelne ist ein kleines 'dafür'. Dafür, dass Menschen zusammenkommen. Dafür, dass wir einander kennenlernen. Dafür, dass Unterschiede nicht verschwinden müssen, damit Zusammenhalt entsteht."  

Der ökumenische Gottesdienst in der Thomaskirche war gut besucht und stimmungsvoll.

Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sagte in seiner liturgischen Begrüßung: "Wir leben im Pro und Contra. Selten findet sich ein Konsens. Heute begegnen wir uns in einem Dafür-Gottesdienst. Das freut mich. 'Dafür', da bin ich dafür. Um zu wissen, was nicht gut ist, ist es hilfreich zu fragen: Wofür sind wir? Als Jesu nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, gelingt es ihm zu sagen, was im Mittelpunkt steht ohne auszuschließen. Dafür ist inklusiv. Dafür verbindet."

Bischof em. Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen ging in seiner Predigt auf die allgemeine Verunsicherung ein, die sich in Zeiten von Krisen und Kriegen breitmache. Sie verhelfe einfachen Sätzen und scheinbar eindeutigen Schuldigen zu einer Konjunktur und begünstige  ein "Dagegen" oder ein "Ich zuerst. Vielleicht noch: Wir zuerst". Bischof Timmerevers hob hervor: "Dann ist die Grenze schnell gezogen. Hier wir. Dort die anderen. Den eigenen Wohlstand sichern. Grenzen hochziehen. Menschen nach Herkunft, Religion oder Nutzen einteilen. Manchen sogar ihre Würde absprechen. Auch das scheint heute wieder salonfähig zu sein."

Jesus hingegen lege in den Seligpreisungen sein eigenes "dafür" vor. "Er ist dafür, dass Menschen Frieden stiften. Er ist dafür, dass Menschen nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. Er ist dafür, dass Barmherzigkeit nicht als Schwäche, sondern Stärke gilt. Er ist dafür, dass Sanftmut stärker sein kann als Aggression", so Bischof Timmerevers. Sich dies zu eigen zu machen, betonte der emeritierte Bischof von Dresden-Meißen, heiße für den Einzelnen, "ernst zu machen" und eine Haltung zu entwickeln, den Anderen nicht als Konkurrenten, als Fremden oder als Problem zu sehen, sondern als "einen Menschen, dessen Würde genauso unantastbar ist wie meine eigene. Das verändert nicht von heute auf morgen die ganze Welt. Aber es verändert die Welt, in der ich lebe. Vielleicht beginnt Veränderung genau dort."

Bischof Emmanuel von Christoupolis von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie sorgte mit einem gesungenen Lichthymnus für einen besonderen liturgischen Akzent. Anschließend wurde das Kerzenlicht an die Gemeinde weitergereicht.

Thomasorganist Johannes Lang und das Ensemble Klänge der Hoffnung begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Vertreterinnen und Vertreter weiterer Religionsgemeinschaften sprachen Grußworte.

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Steffen Blatt
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
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