Theater am Telefon: „Die Mittelmeer-Monologe“

Theater
2020
Theater am Telefon: „Die Mittelmeer-Monologe“
Die Theatergruppe "Wort und Herzschlag" hat im Lockdown für ihr neues Stück ein besonderes Format entwickelt

Eigentlich wäre das Theater "Wort und Herzschlag" gerade deutschlandweit mit seinem neuen Stück unterwegs. Das war während des Lockdowns natürlich nicht möglich – und auch jetzt haben es Veranstaltende zum Teil schwer, einen geeigneten Raum zu finden, in dem Theater unter Einhaltung der Abstandsregeln stattfinden kann. Darum hat sich die "Wort und Herzschlag"-Truppe eine Alternative überlegt: Das "1:1-Telefon-Theater".

Mittelmeer-Monologe Titel
Das Plakat zum neuen Stück. Foto: Wort und Herzschlag

Das funktioniert so: Interessierte melden sich an und werden an einem bestimmten Termin von einem*r Schauspieler*in angerufen, der live am Telefon agiert. Das neue Stück „Die Mittelmeer-Monologe“ von Autor und Regisseur Michael Ruf eignet sich dafür besonders gut, denn die Texte stammen aus Interviews, die weder inhaltlich noch in ihrer sprachlichen Ausdrucksweise verändert wurden. Durch die 1:1-Situation entsteht eine besondere Nähe und Dringlichkeit, wenn die Angerufenen exklusiv die Geschichten über Flucht und Seenotrettung von Naomie, Selma, Yassin oder Joe hören – eine intensive, ungefilterte und direkte Begegnung zu einem wichtigen Thema, das leider Jahr für Jahr nichts von seiner Aktualität verliert.

In einem zweiten Telefonat können die Zuhörenden mit einem*r Aktivist*in in den Dialog treten und alle Fragen zum Thema stellen: zum Stück selbst, zum/zur Schauspieler*in am Telefon, zur aktuellen Situation der Seenotrettung oder zu den Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. "Die Mittelmeer-Monologe" sind in Kooperation mit der Rettungsorganisation "Sea-Watch" entstanden. Beide Telefonate dauern jeweils etwa 35 Minuten.

"Wir haben dieses Format in den vergangenen Wochen mehrmals durchgeführt und sehr viel positive Rückmeldung sowohl von Schauspieler*innen, als auch von Aktivist*innen und den Teilnehmer*innen erhalten", berichtet Patricia Mattes von "Wort und Herzschlag". "Tolles Format, hat etwas sehr intimes", oder "Ich denke noch viel darüber nach" – so oder ähnlich lauten viele Kommentare von Teilnehmer*innen.

Mit den "Asyl-Monologen" und den "NSU-Monologen" hat Michael Ruf in der Vergangenheit bereits weitere Stücke nach diesem Konzept entwickelt. Auch bei der Interkulturellen Woche ist das Theater regelmäßig zu Gast. Damit das auch dieses Jahr klappt, bietet die Truppe das 1:1-Telefon-Format auch den Veranstaltenden der IKW an. Und wo es möglich ist, kommen die Schauspieler auch gerne persönlich zu einer "normalen" Aufführung mit anschließenden Publikumsgespräch. Einzelne Präsenz-Auftritte stehen ab August bereits im Veranstaltungskalender.