Liturgische Eröffnung und Einführung zum Auftaktgottesdienst der IKW am 21.9.2013 in Kiel

 
St. Nikolaikirche Kiel, 21.09.13, 18 Uhr
Ökumenischer Auftaktgottesdienst am 21.9.2013 in Kiel (Foto: Axel Nickolaus)

In diesen Tagen finden überall in unserem Land zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen Menschen bedenken, wie das Zusammenleben über kulturelle, sprachliche und religiöse Grenzen hinweg gelingen kann. Ja, die Interkulturelle Woche ist angekommen in unserer Gesellschaft, in den Kommunen und Landkreisen. Und sie ist angekommen in unseren Kirchen.

Liebe Schwestern und Brüder! Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zum ökumenischen Gottesdienst in der St. Nikolaikirche zu Kiel! So wie wir feiern viele Menschen verschiedener Konfessionen miteinander ökumenische Gottesdienste und mancherorts auch gemeinsame Friedensgebete der Religionen. Uns alle verbindet die Hoffnung auf eine friedliche Welt, in der es keine Ausgrenzung mehr gibt, keine Diskriminierung; in der es keine Rolle spielt, woher du kommst oder was du kannst. Als Christinnen und Christen wollen wir an dieser Welt mitwirken und sie menschlich gestalten.

„Wer offen ist, kann mehr erleben.“ So lautet das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche. Ja, wir wollen offen sein und frei. Offen für die Sorgen von Flüchtlingen, gerade in diesen Tagen, wo Männer, Frauen und Kinder aus Syrien zu uns nach Deutschland flüchten. Frei auch von Angst wollen wir sein, dass wir die Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen Zuflucht bieten vor den Schrecken des Krieges. Denn im Angesicht des Menschen in Not sehen wir das Angesicht Christi.

Seit Wochen müssen wir aber erleben, dass aggressive Proteste vor Flüchtlingsunterkünften zum Alltag gehören. Jeden Tag werden in Deutschland zwei bis drei rassistisch motivierte Gewalttaten verübt. Die Opfer sind insbesondere Flüchtlinge, Asylsuchende und Migrantinnen und Migranten. Mancherorts fliegen Brandflaschen auf Flüchtlingsunterkünfte, werden Neonazi-Parolen gerufen und Menschen bedroht, die bei uns Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen. Wir alle müssen dafür Sorge tragen, dass politische Debatten mit „Das Boot ist voll“-Rhetorik und rassistische Gewalt keine Chance haben. Unser Kreuz hat keine Haken, dass wissen Christinnen und Christen!

Wir wollen offen sein auch für die Nöte von Asylsuchenden, denen an vielen Stellen ein menschenwürdiger Umgang verweigert wird. Lebensmittelpakete und Residenzpflicht, medizinische Notversorgung und Sozialleistungen unterhalb des Existenzminimums sind bei vielen ebenso an der Tagesordnung, wie die Unterbringung in Massenunterkünften oder die Benachteiligung beim Zugang zu Bildung und Beschäftigung. Das darf nicht so bleiben, die Ausgrenzung von Flüchtlingen und Asylsuchenden muss beendet werden! Wir wollen eine gesellschaftliche Kultur des Willkommens schaffen, anstatt Flüchtlinge und Asylsuchende zum Problem zu erklären. Dafür setzen wir Kirchen uns zusammen mit vielen anderen Organisationen ein.

Wir feiern diesen Gottesdienst am Vorabend der Bundestagswahl. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Wahl – ein Glück! Morgen sind wir aufgerufen, die politischen Weichen für die nächsten Jahre zu stellen. Dabei appellieren wir an die Politikerinnen und Politiker, in der kommenden Wahlperiode für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen, damit unser Land gastfreundlicher, offener und humaner werden kann. Um Gottes – und der Menschen willen!  

So lasst uns diesen Gottesdienst zur Interkulturellen Woche feiern:

im Namen Gottes, des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.

 
Jahr:
2013
Kategorie: 
Autor:
Landesbischof Gerhard Ulrich, Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland