„Transitstrecke Odenwald“: Fluchtrouten gibt es schon seit Jahrhunderten....

 
Wanderwegsymbol „Transitstrecke Odenwald“.

... und manche führten quer durch Deutschland. Bei einer geführten Wanderung während der Interkulturellen Woche konnten Interessierte einen solchen Weg in Hessen erkunden: die „Transitstrecke Odenwald“.

Vielleicht gibt es auch in anderen Veranstaltungsorten der Interkulturellen Woche solche historischen Fluchtrouten? Und jemand, der eine Führung dazu anbieten kann?

Vom südhessischen Etzean aus legte die Gruppe ein Stück auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad zurück, der von den südfranzösischen Alpen durch Italien, die Schweiz bis nach Nordhessen führt und als europäischer Kulturwanderweg ausgezeichnet ist. Diese Wegstrecke folgt dem historischen Fluchtweg der Hugenotten und Waldenser, die im 17. Jahrhundert als reformierte Christen in Frankreich und in Italien grausam von Staat und  Kirche verfolgt wurden. Sie flohen vor Gewalt und Intoleranz nach Deutschland, Viele fanden damals in Hessen eine neue Heimat. Ihr langer Weg in die Freiheit führte sie auch durch den Odenwald – von Neckarsteinach über Beerfelden, Erbach, Rehbach in Richtung Darmstadt. Die Wenigsten sind dort geblieben; lediglich in Rohrbach und in Wembach-Hahn haben sich Waldenser angesiedelt.

Für die meisten war der Odenwald eine „Transitstrecke“, eine Etappe auf dem Weg. So ist es im Prinzip auch heute noch. Ende April 2018 etwa lebten 169 Asylbewerber*Innen mit noch ungeklärtem Bleiberecht und 527 Personen, die einen befristeten Aufenthaltsstatus haben, im Odenwald. Die Wenigsten werden vermutlich für immer hier bleiben.

Der Hugenotten- und Waldenserpfad lässt den Wanderer verstehen, dass wir Teil der einen Welt sind, in der Menschen schon zu allen Zeiten aus ihrer jeweiligen Not heraus ihre Heimat verlassen, aus- und weiter wandern mussten. Die Wanderung im Rahmen der Interkulturellen Woche führte von Etzean über den Marbachstausee, wo ein kleines Picknick vorgesehen ist, bis nach Haisterbach.

Fotos: Renate Köbler

 

 

 
Jahr:
2018
Kontakt:

Evangelisches Dekanat Odenwald, Bildung und Ökumene; Pfrn. Renate Köbler, Tel.: 06062-266584; rekeobler@t-online.de