Kreuzweg der Welt

 

Die Vielfalt und den religiösen und kulturellen Reichtum von Kirchen zeigt beispielhaft die Gestaltung einer gemeinsamen Kreuzwegandacht. Die katholischen muttersprachlichen Gemeinden Frankfurts am Main haben dieses bereits mehrmals umgesetzt. Sie bringen dabei in verschiedenen Sprachen die aktuellen Anliegen der Welt im Gebet vor Gott. Die Begegnung und das Zusammenwirken der einzelnen Gemeinden untereinander wird hierbei besonders erfahrbar.


Musik zum Einzug

Kreuzzeichen und Begrüßung

1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt - Eritreische Katholische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Es war am Rüsttag des Paschafestes, ungefähr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer König! Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde.

Joh 19,14-16

L Tag für Tag, Woche um Woche, Monat für Monat verlassen sie ihr Land, sie gehen weg, heimlich von Eritrea. Sie ziehen über die Berge Richtung Sudan, haben Angst von Soldaten aufgegriffen zu werden. Doch das ist erst der Anfang. Später geht es durch die heiße Sahara, zu wenig Wasser. Wer das überlebt, hofft auf einen Platz in einem der wackeligen Boote, die das Mittelmeer überqueren. Oder es zumindest versuchen. Zum Tode verurteilt ist, wer sich auf diese Fluchtwege einlässt. So viele Tausende schon sind gestorben auf dem Weg nach Europa.

Lasst uns beten:

Jesus, der Du zum Tode verurteilt wurdest, gedenke aller die unschuldig in lebensbedrohlichen Situationen sind. Stärke und schütze besonders alle Flüchtlinge zu Lande und auf dem Meer. Amen.

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter – Maronitische Gemeinde (Naher Osten)

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt, Doch er wurde durchbohrt wegen unserer 2

Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Jes 53,4-5

L Jesus Christus steht vor Soldaten, die glauben, alle Macht über ihn zu haben, während er derjenige ist, durch den "alles geworden" ist und "ohne den nichts wurde, was geworden ist". (vgl. Joh 1,3)

Zu allen Zeiten hat der Mensch gemeint, sich an Gottes Stelle setzen und selbst bestimmen zu können, was gut und böse ist (vgl. Gen 3,5), ohne Bezug auf seinen Schöpfer und Erlöser. Er hielt sich für allmächtig und fähig, im Namen der Vernunft, der Macht und des Geldes Gott aus seinem Leben und aus dem der anderen auszuschließen.

Auch heute beugt sich die Welt Kräften, die versuchen, Gott aus dem Leben des Menschen auszuschließen - wie der blinde Laizismus, der im Namen einer vermeintlichen Verteidigung des Menschen die Werte des Glaubens und der Moral erstickt; oder der gewaltsame Fundamentalismus, der die Verteidigung religiöser Werte als Vorwand benutzt. (vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Media Oriente, 29)

Lasst uns beten:

Jesus, unser Herr, der du die Demütigung angenommen und dich mit den Schwachen identifiziert hast, dir vertrauen wir alle gedemütigten und leidenden Menschen und Völker an, besonders die des gequälten Orients. Gib, dass sie in dir die Kraft haben, mit dir ihr Kreuz der Hoffnung zu tragen. In deine Hände legen wir alle, die sich verirrt haben, damit sie durch dich die Wahrheit und die Liebe finden. Amen.

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz - Vietnamesische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Jes 53,6b-7

L Wir denken an die Christen in Vietnam, die unter Diskriminierung und Repression durch das kommunistische Regime leiden. Bekennende Christen werden von bestimmten Ämtern ausgeschlossen. Genehmigungen für Kirchenbauten ziehen sich manchmal über Jahre. Jeder Priesteramtskandidat wird auf seine „Staatstreue“ geprüft. Immer wieder lässt das Regime durch zahlreiche Verhaftungen, Überwachung, Schikane und Prügelattacken seine Macht spüren.

Aktuell schreckt das Regime nicht davor zurück, das Klostergrundstück der Schwesternkongregation von der Liebe zum Heiligen Kreuz Thủ Thiêm, welche bereits seit über 100 Jahren besteht, zu enteignen, um darauf ein Einkaufszentrum zu errichten. Ein Versuch, die Klostergebäude am 23. Oktober 2015 niederzureißen, scheiterte am Widerstand der Schwestern und am Protest im Inland sowie aus dem Ausland.

Lasst uns beten:

Jesus, der Du unter dem Kreuz fällst, erbarme dich aller Christen, die durch Staat und Polizei schikaniert und unterdrückt werden. Wir beten besonders für den Erhalt des Klosters von der Liebe zum Heiligen Kreuz Thủ Thiêm und für alle Christen in Vietnam, die ihren Glauben nicht frei ausleben können. Amen. 3

4. Station – Jesus begegnet seiner Mutter - Portugiesischsprachige Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klophas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Joh 19,25-27a

L Maria, die Mutter Gottes, war die erste Jüngerin des Meisters. Als sie das Wort des Engels aufnahm, begegnete sie zum ersten Mal dem fleischgewordenen Wort und wurde Tempel des lebendigen Gottes. Sie ist ihm begegnet, ohne zu begreifen. Sie hat dem Herrn vertraut vom Anfang bis zum Schluss.

Sie ist ihm begegnet in einer ständigen Suche nach seinem Angesicht, im Schweigen des Herzens und in der Meditation des Wortes Gottes. Sie glaubte, dass sie es sei, die ihn suchte, doch in Wirklichkeit suchte er sie. Jetzt, da er das Kreuz trägt, begegnet er ihr.

Jesus leidet, indem er seine Mutter leiden sieht, und Maria leidet beim Anblick ihres leidenden Sohnes. Doch aus diesem gemeinsamen Leiden geht eine neue Menschheit hervor.

Können wir heute noch mitleiden Angesicht der Leiden von vielen Kindern und Mutter die wir jeden Tag in Bilder Zuhause zu sehen bekommen? Oder versinken wir in der Gleichgültigkeit unserer Konsumgesellschaft? Ist Mitgefühl noch wichtig für uns und unseren Familien?

Lasst uns beten:

Herr, gib, dass in diesen schwierigen Zeiten unsere Familien Orte deiner Gegenwart seien, Orte des Mitgefühls, damit unsere Leiden und die Leiden der anderen sich in Freude verwandeln. Sei du der Halt unserer Familien und mache sie zu Oasen der Liebe, des Mitgefühls, des Friedens und der Gelassenheit, nach dem Bild der Heiligen Familie von Nazareth. Amen.

5. Station – Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen – Tamilische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage. Lk 23,26

L Wie Simon von Zyrene stehen viele tamilische Männer am Rand des Weges. Sie stehen am Rand der deutschen Gesellschaft, sie haben sich eingerichtet in Deutschland mit einfachen Jobs. Die Sprache ist ihnen fremd geblieben. Im Herzen bleibt der Schmerz um die verlorene Heimat. In Treue bemühen sie sich, dass ihre Kinder es einmal besser haben werden. Wie Simon von Zyrene sind sie hilfsbereit und packen an. Jesus braucht solche Menschen – auch heute.

Lasst uns beten:

Jesus, der Du Dir helfen lässt von Simon von Zyrene, wir vertrauen Dir alle Männer an, die schweigend und ohne großes Aufsehen hilfsbereit sind. Wir beten besonders für alle Männer, die aus Sri Lanka nach Deutschland zugewandert sind. Amen. 4

6. Station - Veronika reicht Jesus das Schweißtuch - Kleine Schwestern Jesu

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn ansehen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet, wir schätzten ihn nicht. Jes 53,2b-3

L Veronika hat den Mut, aus der Menge herauszutreten. Jesus, der in den Augen Vieler sein Gesicht verloren hat, prägt es in das Schweißtuch der Veronika ein.

In Deutschland leben viele Menschen, die bloßgestellt sind, kein Ansehen genießen. Wir denken heute besonders an die psychisch kranken Obdachlosen. Ihre Situation erscheint ausweglos. Oft wenden wir uns ängstlich ab, doch manchmal entdecken wir das gequälte Abbild Jesu in ihnen.

Lasst uns beten:

Jesus, der du dankbar die Hilfe von Veronika angenommen hast, wir bitten dich für alle psychisch kranken Menschen besonders solche, die auf der Straße leben. Schenke ihnen Menschen und Orte, wo sie angeschaut werden und neu entdecken, dass sie wichtig sind. Amen.

7. Station – Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz - Französischsprachige Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. Alle, die mich sehen, verlachen mich, verziehen die Lippen, schütteln den Kopf: „Er wälze die Last auf den Herrn, der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat.“ Ps 22,7-9

L Zweimal in einem Jahr ist Paris Opfer von brutalen und terroristischen Anschlägen geworden. Zweimal ist Paris, die große Stadt, gelähmt, gefallen in Angst und Schrecken. Weiterhin stehen viele Soldaten und Polizisten an öffentlichen Plätzen, denn jederzeit könnte wieder ein neuer Anschlag passieren. Und besonders in manchen Pariser Vorstädten gibt es weiterhin Orte mit hoher Arbeitslosigkeit, Orte der Verzweiflung. Orte, an denen Menschen anfällig sind in Gewalt eine Lösung ihrer Probleme zu suchen.

Lasst uns beten:

Jesus, der du unter dem Kreuz fällst, erbarme dich der arbeitslosen Jugendlichen, die keine Hoffnung für ihr Leben haben. Erbarme dich derer, die den Hasspredigern zuhören und ihnen folgen. Schenke den Menschen in Frankreich Phantasie und Entschiedenheit die tiefen Gräben in der Gesellschaft zu überwinden. Amen.

8. Station – Jesus begegnet den weinenden Frauen – Persische Gottesdienstgruppe

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst. 5

L Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Lk 23,27-28

L Die Frauen weinen. Die jungen Männer verlassen den Iran, fliehen aus Afghanistan. Sie träumen von einem besseren Leben im fernen Europa. Sie machen sich auf den langen und gefährlichen Weg. Zurück bleiben die Frauen voller Angst um das Leben ihrer Männer, Söhne, Brüder… Die Frauen weinen.

Lasst uns beten:

Jesus, der Du auch von Muslimen im Koran verehrt wirst, segne die Flüchtenden und schenke ihnen Mut sich auf ein neues Land einzulassen. Tröste alle Familien, die durch Flucht zerrissen sind. Amen.

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz - Spanischsprachige Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Ich bin hingeschüttet wie Wasser, gelöst haben sich all meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen. Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes. Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mit Hände und Füße. Ps 22,15-17

L In fast allen Ländern Süd- und Mittelamerikas wütet derzeit das Zika-Virus. Die Weltgesundheitsorganisation hat kürzlich wegen der Epidemie den weltweiten Notstand ausgerufen. Auch die Familie unseres Pfarrers in Kolumbien ist von der Epidemie betroffen. Besonders für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder kann das Virus gefährlich sein. Seit Ausbruch der Epidemie sind viele Kinder mit Fehlbildungen geboren worden.

Lasst uns beten:

Jesus, der du unter dem Kreuz gefallen bist, erbarme dich der am Zika Virus erkrankten Menschen in Lateinamerika. Wir beten besonders für die Verantwortlichen im Gesundheitswesen, dass sie effektive Wege der Hilfe für die Betroffenen finden. Amen.

10. Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt - Ukrainische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Die Soldaten nahmen seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. Joh 19,23-24

L Vor zwei Jahren schon wurde die Halbinsel Krim von Russland annektiert. Auch weite Teile der Ostukraine bleiben von Russland besetzt. Viele der dort ansässigen Menschen sind vertrieben worden, sind auf der Flucht in ihrem eigenen Land suchen sie nach einer neuen Bleibe. Wie Jesus 6 seiner Kleider beraubt wurde, so werden auch heute Menschen beraubt von dem, was sie wärmt und schützt: Kleidung, Wohnort, Sicherheit.

Die Mutter Gottes folgt Jesus auf dem Kreuzweg. Sie sieht, wie ihr Sohn geschlagen und gestoßen wird, wie er zu Boden fällt und sich mit letzten Kräften erhebt, das Kreuz wieder schultert und weiter geht.

Jesus sieht das Leid seiner Mutter. Aber er muss den Willen des Vaters erfüllen. Er geht, um sich für die Erlösung der Welt zu opfern.

Ähnlich wie damals erleiden ukrainische Mütter heute den Kreuzweg zusammen mit ihren Söhnen-Soldaten, die in Erfüllung ihrer heiligen Pflicht zur Verteidigung ihres Landes und Volkes verwundet, verstümmelt und erschöpft sind.

Jahrhundertelang wurde dem ukrainischen Volk ein eigener Staat verwehrt, die Muttersprache verboten, die Kultur und die Kirche vernichtet. Jedoch überlebte das Volk, weil es immer an die Obhut der Mutter Gottes glaubte.

Wie die Mutter Gottes Jesus auf dem Kreuzweg folgte, so folgt sie uns in unseren Leiden, weil wir ihre Kinder im Geiste sind. Lasst uns immer daran denken, während wir ihre Hilfe erbitten und ihr unsere Leiden darbringen.

Lasst uns beten:

Jesus, nackt und ungeschützt, wir vertrauen Dir die Ukraine an. Wir beten besonders für alle Menschen, die in den von Russland besetzten Gebieten leben. Gib, dass das Beten des Kreuzweges uns und sie stärkt. Amen.

11. Station – Jesus wird an das Kreuz genagelt – Syromalankarische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen recht von ihm, den andern links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Lk 23,33-34

L Wenn Jesus seinen schlimmsten Peiniger vergeben kann, weil er dazu in der Lage ist, sich in ihre Perspektive hinein zu versetzen, ja, weil er durch seine Empathiefähigkeit die Schwächen seiner Feinde erkennt, sollten wir dann nicht in der Lage sein, uns in die unendlich grausame Lage all jener unserer Landsleute hineinzuversetzen, die unter menschenunwürdigen Umständen ihr Dasein in bitterster Armut fristen. Ist es nicht ein Armutszeugnis für unser Volk, wenn auf der einen Seite einige wenige immer reicher werden und auf der anderen Seite immer mehr unserer Landsleute verelenden; sollten wir als jene, die wir Jesus Christus folgen, nicht versuchen, Mitmenschlichkeit zu zeigen? Und ist es nicht vor allem die Fähigkeit zur Empathie, zum Mitgefühl, ja, die Kraft, uns in die Perspektive unserer Mitmenschen hineinzuversetzen, die große Kapazität, die uns erst zu wirklichen Menschen macht? Insofern sollten wir diesen großen Akt der Vergebung Jesu`, resultierend aus der tief im Menschen liegenden Kraft, Mitgefühl und Empathie für seine Mitmenschen zu entwickeln, als hohes moralisches Vorbild für uns übernehmen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, und um wahre Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit in Indien etablieren zu können.

Lasst uns beten:

Jesus, von den Nägeln durchbohrt, wir schauen auf Dich. Schenke uns, dass wir in Treue und Liebe leben. Lass uns wachsen an Empathie, am wohlwollenden Blick auf alle Menschen. Amen. 7

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz – Internationale Englischsprachige Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. LK 23,44-46

L Als Jesus am Kreuz hing, vergab er den Soldaten, die ihn ans Kreuz geschlagen hatten.

Er betete für seine Mutter Maria und Freunde (und allen, die an Gott glauben).

Jesus wünschte sich, dass alle Menschen für immer mit Gott leben, deshalb gab er alles was er hatte, seine Liebe, sein Leben.

Auch heute werden Christen auf der ganzen Welt verfolgt und getötet, weil sie glauben.

In Pakistan wirft man Christen vor, die sogenannten blasphemischen Gesetze zu verletzen,

in Nigeria tobt der Terror von Boko Haram,

in China werden Christen verhaftet und ins Gefängnis gesteckt,

in Ägypten werden Orthodoxe Kopten geschlagen, nur weil sie ein Kreuz tragen.

Weltweit werden Jahr für Jahr mehr als 105.000 Christen getötet aufgrund ihres Glaubens. Diese Märtyrer unserer Zeit gaben ihr Leben, um das Kreuz zu verteidigen, das Symbol unseres Glaubens, das selbe Kreuz, für das Jesus sein Leben gab, um uns zu retten.

Lasst uns beten:

Jesus am Kreuze sterbend, sei allen nahe, die wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet werden und nimm sie auf in Dein Reich.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt – Polnische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Joh 19,38

L Maria leidet mit ihrem Sohn, sie leidet als Mutter, die ihr Kind, Opfer religiöser Fanatiker und des Staatsterrors, in den Armen hält. Wir Polen haben eine besondere Beziehung zur Gottesmutter. In allen Wirren unserer Geschichte haben wir bei ihr Trost und Kraft zum Widerstand gefunden.

Die Pieta ist nicht nur Andachtsbild, sondern auch Protestbild. Sie steht für alle Mütter, die durch Gewalt ihre Söhne und Töchter verlieren, sie steht für alles Leid von Müttern, deren Söhne und Töchter Opfer einer Macht, einer Idee, einer Ideologie oder eines Systems wurden. Und die Pietà steht so lange als Protestbild in unseren Kirchen und auf unseren Fluren, solange die Menschen immer noch ihre Konflikte damit lösen wollen, dass sie sich gegenseitig umbringen, solange die Menschen immer noch glauben, mit Gewalt etwas verändern zu können. Die Pietà fordert nicht nur 8 fromme Verehrung, sie fordert Solidarität und Mitleiden mit allen Opfern, mit den Toten und den Hinterbliebenen, sie fordert konkretes Tun gegen Gewalt.

Lasst uns beten:

Jesus, im Schoß Deiner Mutter liegend, wir beten für die Opfer der Kriege und der Gewalttaten, die in dieser Zeit verschiedene Länder des Nahen Ostens wie auch andere Teile der Welt verwüsten. Beten wir, dass die Evakuierten und die Heimatlosen so schnell wie möglich in ihre Häuser und ihr Land zurückkehren können. Gib, Herr, dass das Blut der unschuldigen Opfer der Same eines neuen Orients sei, in dem mehr Brüderlichkeit, mehr Friede und mehr Gerechtigkeit herrschen, und dass dieser Orient den Glanz seiner Berufung als Wiege der Kultur und der geistigen und menschlichen Werte wiedererlangt

14. Station – Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt – Kroatische Gemeinde

V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich.

A Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

L Und Josef von Arimathäa nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Das war am Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach. Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das Grab gelegt wurde. Lk 23,53-55

L Was sehen wir, wenn wir die Geschichte des Christentums im Kroatischen Volk uns anschauen, durch die Jahrhunderte wandern und das letzte, zwanzigste Jahrhundert betrachten?

Auf den ersten Blick war es ein Jahrhundert des Fortschritts, der Technologieentwicklung aber auch ein Jahrhundert von Weltkriegen und brutalen Ideologien. Ein Jahrhundert geprägt durch Nationalsozialismus und Kommunismus. Diese Ideologien haben einen blutigen Tribut vom Kroatischen Volk gefordert. Wir erinnern uns an Tränen, vergossenes Blut und Vertreibung. Der Kreuzweg ist in Kroatien mit konkreten Orten verbunden: Bleiburg, Jazovka, „Hudina“ Höhlen, Lepoglava, „Goli Otok“, Škabrnja i Vukovar…. Und die Mächtigen dieser Welt, deren Hände noch vom Blut unschuldiger Opfern kleben, wollten auch die Kirche begraben, vertreiben, töten. Und es war auch ein Jahrhundert der Apostel Gottes, wie zum Beispiel der selige Alojzje Stepinac, die neben dem Kreuz ihres Herren und Lehrers geblieben sind, es war auch ein Jahrhundert des Aufrichtens, des Vergebens…

Lasset uns beten:

Jesus, im Grabe liegend, schenke unserem Land, das getränkt ist vom Blut Deiner Märtyrer, die Früchte des Lebens und der Liebe. Aus deren Gräbern, die im Lichte Deiner Auferstehung stehen, erhebe Du neue Aposteln und Zeugen Deiner Liebe. Amen.

Gemeinsames Lied

Schlussgebet und Segen

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Fragen oder Rückmeldungen können Sie uns wissen lassen!
Brigitta Sassin – 22.02.2016
sassin@stadtkirche-ffm.de

 
Jahr:
2016
Autorin:
Dr. Brigitta Sassin
Weitere Informationen:

Wort zur Einführung: Dieser Kreuzweg wurde am 26.2.2016 in Liebfrauen/Frankfurt gebetet und von verschiedenen Gruppen vorbereitet. So erklärt sich eine Vielfalt an Stilen und Formulierungen. Jede Gruppe sollte die Situation ihres Herkunftslandes oder ihre Situation in ihrer Stadt zur vorgegebenen Kreuzwegstation in Beziehung setzen. Bei der Liturgie am 26.2.2016 wurden die Bibelstellen in der jeweiligen Herkunftssprache vorgetragen. So entstand dieser sehr dichte „Kreuzweg der Welt“.

Gerne können Sie diesen Kreuzweg weiterverwenden! Vielleicht ersetzen Sie dann die Gemeindebezeichnung durch einen anderen geeigneten Hinweis auf die Herkunft. Verteilen Sie die Texte auf verschiedene Lektoren. Vielleicht finden Sie in Ihrer Gemeinde auch Menschen aus genau diesem Herkunftsland, die gerne einen Bibeltext in der Muttersprache vorlesen. Bitte, ergänzen Sie noch Lieder oder Musik – vielleicht nach der 3., 6,. 9 und 12. Station.

Kontakt:

zur Autorin des Kreuzweges der Welt:
Dr. Brigitta Sassin
Referat Muttersprachliche Gemeinden
Referat Christlich-Islamischer Dialog
Fachstelle für katholische Stadtkirchenarbeit
Haus am Dom
Domplatz 3
60311 Frankfurt

und zu einem der Initiatoren der Hamburger Kreuzwege:
Dietrich Gerstner
Referent für Menschenrechte und Migration im Zentrum für
Mission und Ökumene,
Agathe-Lasch-Weg 16
22605 Hamburg
d.gerstner@nordkirche-weltweit.de
Tel. 040 881 81-332.