„Segnende Hände können keine Waffen tragen…“ Internationaler Gottesdienst und Fest der Begegnungen in Bad Oeynhausen

 
unter dem Motto „Vielfalt: Das Beste gegen Einfalt“ in der Christuskirche am 25.9.2015

„… die Hände können nicht zu Fäusten geballt werden. Segnende Hände erhalten lediglich den Frieden von Gott und geben ihn weiter.“ Mit ausgestreckten Händen und diesen starken Worten schloss der Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul, Alfons Runte, den internationalen Gottesdienst, der an die Schicksale und Lebenswege von vielen Flüchtlingen in Bad Oeynhausen erinnerte. Viele solcher starker Worte und Gesten sowie ein starker Zusammenhalt gaben dem Gottesdienst zum Abschluss der interkulturellen Woche und dem anschließenden bunten Abend der Begegnungen Gestalt.  Der Abend wurde von ca. 270 Besuchern aller Altersgruppen und aus allen Ecken der Welt bestritten.

Vielfalt spiegelte sich nicht nur in den Sprachen des Gottesdienstes – Russisch, Kurdisch, Englisch, Arabisch, Serbisch, Italienisch, Französisch usw. wieder. Facettenreich waren auch die Aktionen, an denen sich alle Besucher aktiv beteiligen konnten.
Zum einen konnte jeder einen Punkt auf einen riesigen Erdball aufkleben und damit zeigen, woher er kommt.
Zum anderen konnte jeder eine Kerze zum Andenken für kriegsverzehrte Gegenden der Welt anzünden und in einem Tablett, das Mitglieder der Anti-Rassismus AG liebevoll mit einer Küstenlandschaft und mit Schiffen gestaltet hatten, platzieren. Diese Aktion griff Superintendent Andreas Huneke in seinem Grußwort an die Gottesdienstgemeinde auf: „Diese Kerzen erinnern an Geschichten, die meist traurig sind. Ich möchte eine Kerze anzünden im Andenken an eine freudige Geschichte, die gerade jetzt mitten unter uns passiert. Ich zünde eine Kerze an für alle, die ihre Herzen geöffnet haben, um Menschen zu helfen und ein Zuhause zu geben. Gott soll ihnen Kraft schenken.“ In diesem Sinne erläuterte auch Pfarrer Rainer Schulz, Beauftragter des Kirchenkreises Vlotho für Migration und Integration in seiner Ansprache, dass Heimat nichts Abgeschlossenes, sondern immer am Entstehen sei und von Vielfalt begleitet werde: „Mein Bruchstück „Heimat“ und dein Bruchstuck „Heimat“ - je mehr wir miteinander teilen, desto mehr kann es ein Zuhause werden. Heimat, die ausgrenzt macht heimatlos. Heimat, die einlädt, holt sie ein Stück näher.“

Die Musik spielte eine wesentliche Rolle. Kreiskantor i.R. Wolfgang Bahn begleitete die Gemeinde am Klavier bei den vielen gemeinsam gesungenen Liedern. Alfy Ebeid, Akram Sharoubim, Marian Abadir und Suzan Azer, koptische Christen, die aus Ägypten nach Bad Oeynhausen kamen, sangen koptische Kirchenlieder in Arabisch, die vor allem den Frieden unter allen Völkern als Vision wiedergaben. Herr Ebeid und Herr Sharoubim waren an der Planung und der Gestaltung des Abends vom Anfang an beteiligt und drückten ihre Beweggründe zur damaligen Flucht bereits im exzellenten Deutsch ausdrücken: „Wir hatten Hoffnung, dass sich die Lage in Ägypten stabilisiert. Leider wurden diese Hoffnungen zerschlagen. Meine Kinder sollen frei sein, frei denken können und ein Leben im Frieden haben“, erklärte Herr Ebeid.

Trotz aller Vielfalt waren die Sehnsucht und der Wunsch nach Frieden unter allen Anwesenden – unabhängig von Nationalität und Glauben – deutlich spürbar. Die Besucher lauschten gespannt, als der aus Armenien stammenden Sargis Arakelyan eine von ihm vertonte Version des Vaterunsers meisterhaft und gefühlsvoll vortrug. Im Gespräch hinterher erklärte er: „Es ist mein erstes Stück in Deutsch. Ich habe das Vaterunser vertont, als ich mich von einer schweren Krankheit erholte. Nur Gott konnte helfen und ich bin dankbar, wieder gesund zu sein. Ich freue mich, dass ich mit meiner Musik den Abend bereichern konnte. Ich gebe gerne zurück.“ Herr Arakelyan kam als Flüchtling vor zwei Jahre nach Deutschland. Er trat zusammen mit dem ebenfalls sehr talentierten Faustino Matumona aus Angola auf, der bereits seit fünf Jahren in Deutschland lebt. Zusammen sangen sie „Hero“ von Family of the Year. Auch diese ausgelassenen Momente gehören zu einem solchen Abend. „Heute Abend konnten die Flüchtlinge einfach feiern und ihre Sorgen ein Moment vergessen. Alle Menschen hier erfahren eine Wertschätzung bei einem solchen besonderen Abend. Das spüren wir in der Arbeit. Es gibt uns und den Flüchtlingen Kraft, um den Alltag zu bewältigen“, erklärte Birgit Meyer vom Jugendmigrationsdienst der Diakonie.

Dieser Abend der internationalen Begegnungen wurde zum dritten Mal gefeiert und wächst sowohl bezüglich der Inhalte, der verschiedenen Mitwirkenden als auch der Besucherzahlen. Pfarrer Dr. Christian Hohmann, zuständig für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung in den Kirchenkreisen Herford, Lübbecke, Minden und Vlotho (MÖWe), hat eine Bilanz aus den letzten drei Jahren gezogen: „Wir sind auf jeden Fall internationaler geworden, der Gottesdienst ist vielfältiger geworden. Wir haben uns als Institution etabliert. Ich freue mich auch, dass die ökumenische Zusammenarbeit so stark ist.“ Pfarrer Rainer Schulz pflichtete Pfarrer Hohmann bei: „In der Frage der Flüchtlinge sprechen alle christlichen Kirchen mit einer Stimme. Dies ist erfreulich und der heutige Abend zeugt davon.“

Text und Fotos: Margaret Weirich

Bild 1: Zwei Schüler der Anti-Rassismus AG der Realschule Süd, Babel Olca aus Syrien und Anh Tam Tran aus Vietnam, zusammen mit Superintendent Andreas Huneke betrachteten zuvor die riesige Weltkugel mit den vielen bunten Aufklebern. Jede/r durfte einen Punkt auf sein Heimatland kleben.

Bild 2: Einige der Mitwirkenden am internationalen Gottesdienst: (v.l. hinten)Alfy Ebeid, Pfarrer Dr. Christian Hohmann (MÖWe), Birgit Meyer (Diakonisches Werk), Pfarrer Rainer Schulz (Kirchenkreis Vlotho), Pfarrer Alfons Runte (St. Peter und Paul), (v.l. vorne) Akram Sharoubim, Isabella Gianfreda (Diakonisches Werk), Pastor Stefan Fritsch(Christuskirche), Siegfried Menze(Diakonisches Werk)

 
Jahr:
2015
Weitere Informationen:

An der Planung und Durchführung waren insbesondere Pfarrer Alfons Runte - katholische Gemeinde St. Peter und Paul, Pastor Stefan Fritsch -  Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde - Christuskirche, Rainer Schulz, Evangelische Kirchengemeinde Eisbergen, Eder Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) Bad Oeynhausen, das diakonische Werk im Kirchenkreis Vlotho, die Anti-Rassismus Arbeitsgruppe der Realschule Süd mit 30 Schülerinnen und Schülern und sehr viele Ehrenamtliche aller Nationalitäten beteiligt.

Kontakt:

Pfarrer Rainer Labie
Presse- und Öffentlichkeitsreferent
Evangelischer Kirchenkreis Vlotho
05731 / 180540
oeffentlichkeitsarbeit@kirchenkreis-vlotho.de
www.kirchenkreis-vlotho.de