Neue Deutsche, Postmigranten und Bindungs-Identitäten. Wer gehört zum neuen Deutschland?

 
Naika Foroutan - Foto: Florian Wallenwein

Jeder fünfte Einwohner Deutschlands, darunter jedes dritte Kind unter sechs Jahren, hat einen Migrationshintergrund. In Ballungsräumen wie Frankfurt oder Berlin trifft dies bereits auf über 60 Prozent der Kinder zu, die dieses Jahr eingeschult wurden. Wenn Pluralität für Kinder und Jugendliche zur Normalität wird, ist es unzeitgemäß, über einen Migrantenschlüssel für Schulklassen nachzudenken – wie auch Forderungen nach einem Zuwanderungsstopp für »fremde Kulturkreise« in Zeiten der Globalisierung anachronistisch wirken. Vielmehr wäre es angebracht, in einer Zukunftsdebatte über einen veränderten Blick auf die hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund nachzudenken und zu fragen, ob es nicht an der Zeit ist, diese im Sinne einer fraglosen Zugehörigkeit als deutsche Bürger anzusehen, gar als »Neue Deutsche«? Interessanterweise wird mit dem Gedanken der Globalisierung vorrangig die Öffnung der weltweiten Märkte verbunden. Dagegen ist noch nicht verinnerlicht, dass mit einer Entgrenzung der Märkte nicht nur Güter freier beweglich sind, sondern auch Menschen.

Wo Migration auch mit settlement verbunden wird, wandelt sich die Bevölkerungsstruktur – auch identitär und ideell. Spätestens in der zweiten Generation der Einwanderung stellt sich ein Moment ein, in dem identitäre Verortung nicht mehr eindimensional zu einem Herkunftsland vorgenommen werden kann. Bei einem Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund ist Migration keine selbsterlebte Erfahrung mehr. Sie bleibt jedoch als Element der biografischen Kernnarration bestehen – entweder durch die Familienlegende oder durch außerfamiliäre Zuschreibungen, bedingt durch phänotypische Merkmale wie Aussehen, Akzent, Kleidung oder Namen.

Vom Ausländer zur Person mit Migrationshintergrund

Deutschlands »Gesicht« wandelt sich stetig, was zu Verunsicherungen in der Bezeichnungspraxis führt. Die herkunftsdeutsche Bevölkerung weiß häufig nicht, wie sie sich selbst oder jene bezeichnen soll, die lange Jahre als »Ausländer« oder »Fremde« galten und nun offensichtlich zu Deutschland gehören wollen und sollen. Immer mehr Menschen nehmen mittlerweile für sich in Anspruch, deutsch zu sein, auch wenn sie »anders« aussehen, »fremd« klingende Namen oder eine andere Religionszugehörigkeit haben. Trotzdem gehören die Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Bewusstsein eines Großteils der Bevölkerung noch immer »nicht richtig« dazu. Das Wort Migrationshintergrund markiert seine Träger als tendenziell »neuer« als jene ohne und in der öffentlichen Wahrnehmung auch als tendenziell fremd, auch wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit in dritter und vierter Generation besitzen. Obwohl das Wort Migrationshintergrund in seinem Entstehungsmoment neutral definiert wurde, verbindet sich mit ihm durch den öffentlichen Diskurs eine Bezeichnungspraxis, der eine soziale Praxis folgt, die vorwiegend Differenz-Momente hervorhebt und die in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem mit Defiziten und Problemen verbunden wird.

Postmigranten

Es fehlt derzeit an einer etablierten Bezeichnung, welche die nationale und kulturelle Mehrfachzugehörigkeit und -identifikation von Individuen wertneutral beschreibt.

Die Verbundenheit mit Deutschland als Heimat findet auf mehreren Ebenen statt. Die kognitive und pragmatische Bezeichnung von Deutschland als Heimat, als »dort, wo mein Haus steht, und dort, wo meine Familie wohnt«, kann dabei teilweise die emotionale Bindung an einen Sehnsuchtsort in der Ferne, der ebenfalls mit Heimat assoziiert wird, nicht ersetzen. Dies liegt an dem der Migration inhärenten Moment, der immer mit dem Verlassen eines Zuhauses oder einer Heimat einhergeht. Diese teilweise nur tradierte Vergangenheit wird im Kontext der familiären Erzählstruktur und der nicht erfahrenen Alltagsentzauberung zu einem Wunschort stilisiert, der in jedem Moment der Unzufriedenheit eine virtuelle Rückzugsoption anbietet – auch wenn diese realiter nicht gegeben ist. Zusätzlich wird von Seiten der ersten Generation der Einwanderer, der Familie oder Community teilweise Druck auf die Folgegenerationen aufgebaut, sich den ursprünglichen Herkunftsländern nicht zu entfremden.

Die zum Teil fehlende emotionale Verbundenheit mit Deutschland liegt allerdings auch an Diskriminierungserfahrungen sowie mangelnder Aufnahmebereitschaft von Seiten der autochthonen Gesellschaft, welche noch immer teils bewusst, teils unterbewusst das »Deutschsein« auf phänotypische Merkmale reduziert.

Es liegt aber auch an den spezifischen Kriterien der deutschen nationalen Identität, die es auch Herkunftsdeutschen nicht leicht macht, affirmativ die Nationalitätszugehörigkeit zu artikulieren. Eine Zugehörigkeit zu Deutschland wird als etwas suggeriert, das sich »Migranten« erst erarbeiten müssen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass trotz Fortschritten in der strukturellen Integration (Bildung und Arbeit) eine kulturelle Integration über den Verfassungspatriotismus hinaus erwartet wird, die an diffuse Anpassungen an eine nicht näher definierbare deutsche Leitkultur gekoppelt wird.

Gerade für jenes Drittel der Postmigranten, die vom Mikrozensus als »Menschen ohne eigene Migrationserfahrung« erfasst werden, ist Integration ohnehin kein Diskussionskriterium ihrer Selbstbeschreibung. Für diese Postmigranten sind Deutsch- oder Integrationskurse etwas, das bestenfalls noch ihre Eltern betreffen könnte, eher ihre Großeltern und eben neu Zugewanderte. Bei ihnen ist stattdessen verstärkt ein mehrkulturelles Selbstbewusstsein zu beobachten, ohne ihre »Wurzeln« vergessen zu wollen, samt einer für sich selbst angenommenen postintegrativen Perspektive: Sie sind längst in dieser Gesellschaft angekommen, zumindest aus ihrer Sicht und aus der Sicht jenes Teils der Bevölkerung, der in Deutschland ein plurales, heterogenes und postmodernes Land sieht.

Wer sind die Neuen Deutschen?

Die Bezeichnung »Neue Deutsche« könnte in diesem Kontext zunächst einmal als Beschreibungsangebot dienen für jene Menschen, die über eine deutsche Staatsbürgerschaft und einen Migrationshintergrund verfügen. So liest man immer wieder in Interviewsmit postmigrantischen Künstlern diese lapidar formulierte Selbstbeschreibung: »Wir sind nicht mehr die Türken, die Araber, die Afrikaner, die unsere Eltern vielleicht waren. Wir sind die neuen Deutschen.« Songs von postmigrantischen deutschen Rappern verweisen auf die Dilemmata, aber vor allem die Ressourcen der mehrkulturell orientierten Jugendlichen und ihr innovatives Potenzial für die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft. Sie heben damit das emanzipatorische Moment der hybriden Lebensführung einer Generation hervor, die mit ihren eigenen Selbstentwürfen der Gesellschaft längst vorlebt, was die Öffentlichkeit noch diskutiert. Aber auch für den Fußball scheint die Bezeichnung »Neue Deutsche« zu greifen. Ebenso ist er bereits in einigen Blogs zu finden.

Das zentrale Dilemma des Begriffes ist jedoch, dass er, wenn er nur für Menschen mit Migrationshintergrund etabliert oder mit Zuwanderung assoziiert wird, selbst wiederum eine Differenzmarkierung vornimmt, weil er die diskursive Trennungslinie zwischen multiethnischen und monoethnischen Bürgern Deutschlands reproduziert. Weiterhin macht er einen Unterschied zwischen jenen Einwohnern mit Migrationshintergrund, die einen deutschen Pass haben, und jenen, die die deutsche Staatsbürgerschaft nicht besitzen.

Unvermeidlich ist bei der Nennung des Begriffs »Neue Deutsche« auch die Frage danach, wer die »alten« Deutschen seien.

Die Trennung in »neue« versus »alte« Deutsche entlang ethnischer oder kultureller Markierungen oder dem Kriterium der Zuwanderung bleibt kulturalisierend. Man könnte die ethnische Differenzmarkierung des Begriffes auch entschärfen, indem die Bezeichnung »Neue Deutsche« für jene Generation herangezogen wird, die vorrangig nach dem Mauerfall im wiedervereinten Deutschland sozialisiert wurde. Die »Neuen Deutschen« wären demnach eine neue Generation von Deutschen. Dann jedoch würde eine Grenzmarkierung zwischen jung und alt gesetzt, was auch eine Verkürzung wäre.

Denkbar wäre es daher, die »Neuen Deutschen« einer Ideenwelt zuzuordnen – einer Betrachtungsweise, die mit einem neuen Blickwinkel einhergeht: Deutschland als Einwanderungsland, global player, politisch normativer Friedensakteur. Das postmoderne Deutschland als plurales, multiethnisches, vielfältiges Bürgerland. In diesem Sinne wären die »Neuen Deutschen« die Bürger eines hybriden, neuen Deutschland, das es in seiner heterogenen Komposition schon längst gibt. Die Trennlinie würde entlang einer Haltung und Einstellung verlaufen. Hier wäre der Begriff in einer gesellschaftspolitischen Arena eingebettet und könnte als ein postmodernes Konstrukt verstanden werden, um Identitätsbildungsprozes-se als prinzipielle Inklusionsprozessezu verstehen. Er könnte verdeutlichen, dass die ehedem ethno-kulturellen Zuschreibungskriterien für »deutsch« nicht die reale Bevölkerungsstruktur und Zusammensetzung des Landes widerspiegeln, sondern auf essenzialisierenden Konstruktionen von Kultur, Nation und Ethnie beruhen. Damit wären noch immer nicht die strukturellen Probleme eines postmodernen Einwanderungslandes gelöst. Es wird weiterhin Bildungsproblematik, Sozialtransfers und Kriminalität in Deutschland geben. Nur wenn die Zugehörigkeit nicht mehr in Frage steht, können diese Probleme in Abhängigkeit von Sozialstrukturen diskutiert werden und nicht in Verbindung mit der ethnisierenden oder kulturalisierenden Frage nach deutsch oder nicht-deutsch. »Wenn jemand ›dazugehört‹, kann dieser Jemand übrigens durchaus Probleme bereiten. Auch die Insassen der Strafanstalten, jedweder Konfession, gehören zu Deutschland, die Junkies gehören zu Deutschland, die Bettler, die Buddhisten, die Millionäre und die Stripperinnen. Angela Merkel ist auch die Kanzlerin der Alkoholiker, der Exhibitionisten und der Bettnässer, oder wollen wir die alle ausbürgern? Will allen Ernstes irgendwer Leute mit deutschem Pass zu Deutschen zweiter Klasse erklären, nur, weil sie die falsche Religion haben?«

Die Idee, Deutschland neu zu denken, reiht sich in vielfältige Visionen ein,die mit der Idee Deutschlands einhergehen: Deutschland war im kühnsten Moment seiner Entstehung eine politische Vision, eine politisch weltoffene Idee, die nicht an ethnische Herkunft und Exklusivität gebunden war. Inder Debatte über Grundrechte in der Frankfurter Paulskirchenverfassung erklärte der Berliner Abgeordnete Wilhelm Jordan: »Jeder ist ein Deutscher, der auf dem deutschen Gebiet wohnt (…) die Nationalität ist nicht mehr bestimmt durch die Abstammung und die Sprache, sondern ganz einfach bestimmt durch den politischen Organismus, durch den Staat. Das Wort ›Deutschland‹ wird fortan ein politischer Begriff.« Die nationale Identität basierte nicht auf ethnischen oder kulturellen Merkmalen. Wie in Preußen auch, galt ein territorialer Bezugsrahmen: Die legitimen Einwohner Preußens waren deutsch-, polnisch-, litauisch-, sorbisch- oder französischsprechend. Es gab weder eine ethnische Konstruktion von Zugehörigkeit noch eine sprachliche Einheit, obwohl August Wilhelm von Schlegel und Johann Gottlieb Fichte den Versuch unternommen hatten, die Sprache als Kategorie natürlicher geistiger Vergemeinschaftung zu etablieren. Auch Johann Gottfried Herder sah in der gemeinsamen Sprache die Möglichkeit, eine Gemeinschaft zu konstituieren, die der deutschen Nation eine Existenz jenseits der Schaffung eines staatlichen Rahmens ermöglichen sollte. Die deutsche Gemeinschaftsbildung sollte über eine gemeinsame Kultur erfolgen. Dennoch: Die Suche nach dem, was letztlich das Deutschsein definierte, kulminierte in rassischen und genetischen Definitionen und erschwerte somit den Zugang zu dieser Frage nachhaltig.

Die nicht zu greifende »deutsche Leitkultur« wird in Zeiten der gesellschaftlichen Verunsicherung durch Finanzkrise, Arbeitsplatzverlust und demographischen Wandel immer häufiger als etwas herbeigesehnt, das wenigstens eine identitäre Konstante darstellen könnte – als letzte vermeintlich stabile Ressource. Leider lässt sie sich in ihrer fundamentalen »Luftigkeit« nur greifen anhand der Markierung jener, die sie nicht ausfüllen. Wenn heutzutage schon Homo-Ehe, Patchwork-Familien und Alleinerziehende Mütter in die deutsche Leitkultur integriert werden müssen, dann reicht das schon alle Mal – dann bitte nicht noch den Islam …

Neues Deutschland

Der längst eingetretene identitäre Wandel ist eine alltägliche Banalität, in Zahlen messbar und für die Zukunft prognostizierbar. Auch wenn sich im Moment ein Großteil der Deutschen die Zeit vor dem Anwerbeabkommen mit der Türkei im Jahr 1961 herbeizusehnen scheint, so wird das nicht passieren. Abgesehen davon, dass für den anderen Großteil diese Zeit nicht das »goldene Zeitalter« darstellt, sondern ein vermieftes, biederes, geschlossenes, schlechtgelauntes und getrenntes Deutschland. Im heutigen Deutschland umarmen sich sogar die Männer zur Begrüßung, während sie ihren eigenen Vätern immer noch nur steif die Hand reichen, man sitzt abends draußen auf der Straße – gerne auch bis in den November hinein. Die herkunftsdeutschen Kinder heißen nicht nur Sophie, Karl und Heinrich, sondern auch Mandy, Kevin, Ramona und Guido, ab und zu auch Leila, Tarek oder Minou.

Dennoch richtet sich das Orientierungswissen in einigen Teilen der Gesellschaft weniger an dieser Realität als an einer homogenen Fiktionalität aus, die weder das gegenwärtige noch das vergangene Deutschland widerspiegelt, welches immer heterogen war – abgesehen von einer kurzen Periode homogener Struktur, die für die Kernverfasstheit des politischen Diskurses maßgebliche Relevanz zu haben scheint. Deutschlands Sehnsucht nach Homogenität muss dabei aus seiner Eigenart als postfaschistischer Gesellschaft heraus verstanden werden: »Wir sind aufgewachsen in einer Bundesrepublik, die so rein deutsch war wie noch nie irgendein Deutschland in der deutschen Geschichte. (…) Dieses Erbe der Nazis hielten wir für normal. Halten viele von uns noch immer für normal. Es war aber nichts anderes als das Resultat einer gewalttätigen ethnischen Säuberung.« Das Verhältnis der autochthonen Deutschen zu ihrer Nationalität rührt nicht nur aus dieser traumatischen Vergangenheit – es rührt zum Teil auch aus der Fremdzuschreibung, die Deutschland in Folge dessen seit Jahrzehnten entgegenschwappt: Deutschland galt als effektiv, aggressiv, kognitiv. Deutschsein war uncool.

Obwohl Deutschland in seiner Politik in den vergangenen Jahrzehnten, im Kontext europäischer Vergleichsnationen wie Frankreich, Polen oder Belgien, weniger populistisch, im Vergleich zu Großbritannien oder Italien friedensbewegter, im Vergleich zu allen genannten ökologischer und selbstkritischer war, schaffte es den Imagewechsel vor allem durch das weltweit ausstrahlende Bild des vielfältigen, unkonventionellen Berlins und durch die beiden Fußball-Weltmeisterschaften 2006 und 2010. Auch Menschen wie Mesut Özil, Philipp Rösler oder Sibel Kekilli verkörpern nun das neue Gesicht Deutschlands. Umso verwunderlicher ist die Ablehnung, mit der ein Teil der Republik auf das neue Bild Deutschlands reagiert, als ob man sich von dem Bild des ugly old German nicht trennen mag.

Seitdem die »Sarrazin-Debatte« offensichtliche Exklusionsmechanismen zu Tage förderte, die bis tief in die Mitte der Gesellschaft hinein vertreten werden, sind auch überraschend klare Selbstverteidigungsreaktionen bei Menschen mit Migrationshintergrund zu beobachten. Aus den multiplen Wir-Identitäten, welche die Zugehörigkeitskontexte dieser Menschen mitbestimmen, artikuliert sich immer häufiger der Gedanke einer neuen deutschen Identität in-between. Offen wird eine Stimmung verhandelt, in der trotzig ein »Wir gehören dazu« und »Das ist auch unser Land« artikuliert wird. Als hätte ein Moment der Angst um den Verlust der Heimat das Bewusstsein geschaffen, dass man ein post-modernes Bekenntnis artikulieren möchte. In dieses Bekenntnis reihen sich auch jene Herkunftsdeutschen ein, für die die Debatte die Frage aufwirft, mit wem man sich selbst in seinem Land eher assoziiert, und mit wem man eine vergleichbare Ideenwelt oder aber eine Vorstellung von Zukunft teilt. Dabei bedeutet die Idee, sich Deutschland ohne Multikulturalität nicht mehr vorstellen zu wollen, keineswegs, dass man religiösem Extremismus nicht aktiv entgegenträte – nein: man tritt ihm nur gemeinsam entgegen – genauso wie dem Rechtspopulismus.

Deutschland ist nach der »Sarrazin-Debatte« ein gespaltenes Land. Aber die Trennlinie verläuft nur oberflächlich zwischen »den Muslimen« und »dem Rest« und nur temporär zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und jenen ohne. Die Trennlinie verläuft zwischen den »alten« und den »neuen« Deutschen und ihrer jeweiligen Vision von der Zukunft ihres Landes. Es sind zwei unterschiedliche Vorstellungen von Deutschland, die hier aufeinanderprallen. Das neue Deutschland wird sich in der Zukunft nicht mehr durch Herkunft, Genetik und Abstammungsstrukturen definieren können – dies erlaubt schon der demografische Wandel nicht mehr. Es wird sich trotzdem nicht abschaffen – es wird nur ethnisch und kulturell vielfältiger sein. Und Deutschsein gilt dann als Chiffre für die Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Land.

 
Materialheft:
Gliederung 2012
Autor:
Dr. rer. pol. Naika Foroutan
Weitere Informationen:

Dieser Text ist die gekürzte Fassung eines Beitrages, der in der Reihe »Aus Politik und Zeitgeschichte« (46-47/2010) der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen ist. Den Volltext finden Sie unter www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/32358

Dr. rer. pol. Naika Foroutan ist Leiterin des VW-Forschungsprojekts»Hybride europäisch-muslimischeIdentitätsmodelle / HEYMAT« an der HU Berlin

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