Comedy: Migrantenpop – hier tagt die Parallelwelt

 
geistreiche Comedy mit Fräulein Nina und Murat Kayi

Zwei, die von ihren Migrationshintergründen singen und erzählen, 1.000 und eine Frage stellen und keine beantworten. Biographisch inspiriert beleuchten sie das Thema Migration und Integration der 2.-3. Folgegeneration und spielen vergnüglich wie schlau mit Identitäten.

Sie: Deutsche, wegen der südländischen Oma als Viertelitalienerin tituliert. Irgendwie schon, doch eher abtrünnig katholisch, trotzdem altbacken mit entscheidenden Abweichungen und Brüchen. Es gab Zeiten, in denen sie glaubte, man käme wegen vorehelichem Sex in die Hölle. Mittlerweile auf St. Pauli lebend, denkt sie gern an ihr Leben im pittoresken Persebeck, wo sie unter unzähligen Italienern aufgewachsen ist, von denen, außer sie und Oma keiner italienisch, sondern nur Ruhrpott spricht.

Er: einziger evangelischer Türke weit und breit, unterrichtet Deutschein Asisch und liest Christen wie Moslems gleichermaßen die Leviten. Dabei ist er Westfale durch und durch und war selbst seinem ehemaligen Chef – immerhin Sauerländer – viel zu Deutsch. Trotz allem bleibt die Nase wie sie ist, und so berichtet Kayi aus dem Grenzland zwischen zwei Kulturen, wo Westfalen und Anatolen einander erschreckend ähneln.

Sie singen »die Migranten sind frei« und das Fräulein gibt hier, wie in der gesamten Show über den Ton an. Dabei gilt sie nicht mal als Deutsche mit Migrationshintergrund, obwohl die italienische Oma täglich anruft und fragt, wo das alles mit ihr und der Kunst hinführen soll; vor allem so ohne Auto! Kayi jedoch fühlt sich vollständig integriert, da er bei der Aushändigung seines Personalausweises vom Beamten freundlich augenzwinkernd mit: »Ha, noch ein Türke weniger!« willkommen geheißen wurde.
 

 
Materialheft:
Gliederung 2012
Weitere Informationen:

www.migrantenpop.de, Michael Weinmann: Tel.: 0163 / 740 94 32