Zusammenhalten – Zukunft gewinnen

 
Aktionen der Griechisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Mannheim im Jubiläumsjahr

Die Staatsverschuldung Griechenlands und die öffentliche Diskussionen um die Beteiligung Deutschlands an der Europäischen Finanzhilfe für den Mittelmeerstaat haben nicht nur die Europäische Union, sondern auch das Zusammenleben von Griechen und Deutschen in Deutschland auf eine Bewährungsprobe gestellt. Neben vielen beleidigenden und undifferenzierten Berichten der deutschen Medien über die Situation in Griechenland mussten sich viele Menschen täglich von ihren Kollegen auf der Arbeit, von ihren Kunden, von ihren Nachbarn und Bekannten viele dumme Sprüche anhören. Es gab sogar anonyme Drohbriefe und ganze Familien mussten teilweise unter Polizeischutz gestellt werden. Diese Krise im Verhältnis der etwa 350.000 in Deutschland lebenden Bürgerinnen und Bürger mit griechischem Migrationshintergrund zu den Einheimischen ist Gott sei Dank schnell überwunden worden. Dazu haben auch die verschiedenen Veranstaltungen, die die griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde und die griechischen Verbände und Vereine überall in Deutschland im vergangenen Jahr anlässlich des Jubiläumjahrs »50 Jahre Deutsch-Griechisches Anwerbeabkommen 1960-2010« organisiert haben, beigetragen. Sie haben bewiesen, dass die hier lebenden griechischstämmigen Menschen nicht nur dazu beigetragen haben, dass Deutschland ein wirtschaftlich vorangekommenes Land ist, sondern dass sie auch völlig integriert und unverzichtbare Partner in der Ökumene, in der Gewerkschaft,
in der Nachbarschaft und in der interkulturellen Landschaft der zeitgenössischen Bundesrepublik geworden sind. Drei kleine Beispiele aus den vielen Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr möchte ich Ihnen im Folgenden darstellen:

Am 30. März 1960 ist in Bonn die Vereinbarung zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung des Königreichs Griechenland über die Anwerbung und Vermittlung von griechischen Arbeitnehmern durch die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet worden. Infolgedessen kamen tausende griechische Arbeiter und Studenten nach Deutschland. Im Jahr 2010 feierten wir Griechen überall in Deutschland das 50. Jubiläum unserer Gegenwart in der Bundesrepublik. Verschiedene kulturelle Veranstaltungen wurden organisiert. Wir haben in Mannheim auf eine große festliche Veranstaltung verzichtet. Stattdessen haben wir versucht, im Rahmen mehrerer Veranstaltungen einige kleine Zeichen zu setzen. So ist uns gelungen, am 23. Januar im Rahmen der offiziellen Übergabe der Kirche im Stadtteil Luzenberg, die wir von der katholischen Gesamtkirchengemeinde Mannheim gekauft haben, eine Kollekte zugunsten der Initiative der katholischen Seelsorgeeinheit Waldhof-Gartenstadt für den Kindermittagstisch für die armen Kinder in Waldhof als eine kleine Geste der Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber der Muttergemeinde unserer Kirche, der St. Franziskusgemeinde in Waldhof, zu sammeln. Dieses erste Zeichen galt also der römisch-katholischen Kirche.

Das zweite Zeichen war die aktive Mitorganisation einer Blutspendeaktion in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz in Waldhof im Oktober. Wir konnten 35 Blutspendewillige aus der Griechischen Kirchengemeinde mobilisieren, was vom Roten Kreuz als ein gelungener Anfang wahrgenommen wurde. Dieses zweite Zeichen galt also der breiteren Gesellschaft.

Als dritte Aktion konnten wir den griechischen Pächter des historischen Gasthofes »Zum Adler« in Sandhofen, Herrn Konstantinos Tsoumanis, dazu bewegen, einen Teil des Erlöses seines »Griechischen Abends« im November 2010 zugunsten der Migrationsberatung des Diakonischen Werkes in Mannheim zu spenden. Uns Griechen geht es heutzutage – Gott sei Dank – gut in der Bundesrepublik und wir sind mehr oder weniger integriert. Es gibt aber weiter viele Menschen, die dort stehen, wo wir bzw. unsere Mütter und Väter vor 50 Jahre gestanden haben; sie benötigen dringend Hilfe, Beratung und Integrationsangebote. Als Zeichen der Dankbarkeit zunächst gegenüber dem Diakonischen Werk, aber auch aus Solidarität gegenüber den anderen Migranten und Asylsuchenden in Mannheim, widmeten wir diesen Abend und einen Teil seines Erlöses der Migrationsarbeit des Diakonischen Werkes in Mannheim.

 
Materialheft:
Gliederung 2011
Autor:
Erzpriester Dr. Georgios Basioudis
Weitere Informationen:

Erzpriester Dr. Georgios Basioudis, Griechisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in Mannheim, ist Mitglied im ÖVA.

Kontakt:
mannheim@orthodoxie.net
www.orthodoxie.net