Moscheen – Ein fester Teil der Gesellschaft

 
60 Jahre Bundesrepublik und die Muslime

Unter dem Motto »Moscheen – Ein fester Teil der Gesellschaft. 60 Jahre Bundesrepublik und die Muslime« veranstaltete der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am 3. Oktober den Tag der offenen Tür 2009.

Ziel war es aufzuzeigen, dass Muslime in Deutschland angekommen sind und sich als Teil dieses Landes sehen. Muslime sind heute in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen, in allen Altersgruppen. Sie haben größtenteils den Gedanken aufgegeben, in die Herkunftsländer zurückzukehren, ja sie lassen sich auch zunehmend in Deutschland beerdigen. Sichtbares Zeichen der Verwurzelung und der Identifikation mit diesem Land sind auch Moscheen, die sowohl als Gebetsstätten, als auch als Bildungs- und Begegnungszentren dienen.

In unserem gleichnamigen Flyer http://tom.zentralrat.de/2583.php sind wir auf die Angebote in Moscheen, deren Potenziale und auf das ehrenamtliche Engagement der Muslime eingegangen, die einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum Gemeinwohl leisten. Wir haben dazu eingeladen, auch mal einen Blick auf die oft unterschätzte Arbeit von Moscheen zu werfen. Die Resonanz war mäßig, im Vergleich zum Vorjahr eher rückgängig.

Kaum wagten wir den Gedanken, das Informationsbedürfnis könnte mittlerweile gesättigt sein und der Islam langsam zur Selbstverständlichkeit werden, entzündete sich die Minarettdebatte. Das Minarett scheint um einiges interessanter zu sein, als das, was sich in der Moschee abspielt. Das mediale Interesse war enorm, jedoch kann das nicht als aufrichtiges Interesse am Islam gedeutet werden. Medien interessieren sich eher für islamkritische Themen, nicht so sehr für den Tag der offenen Moschee (TOM). Man kommt nicht umhin, bei vielen eine Islamverdrossenheit zu vermuten, die sich im Straußenprinzip äußert – man steckt den Kopf in den Sand. Man möchte keine Minarette sehen, keine Kopftücher, schon gar keine Burkinis und am schönsten wäre es, wenn keine neuen Moscheen gebaut würden. Ein großer Teil der Bevölkerung möchte den Islam unsichtbar machen, verdrängen. Die Angst vor dem Islam und der Ärger über die Verweigerung von Anpassung sind groß.

Doch was ist mit den Köpfen unter den Tüchern und den anderen weiterhin existenten Gläubigen? Braucht man sich mit ihnen nicht mehr auseinanderzusetzen, wenn man sie unsichtbar gemacht hat. Sind dann die Ängste plötzlich weg? Vielleicht sollten wir die Schweizer fragen, ob das Minarettverbot gesellschaftliche Phobien geheilt und die Integration gefördert hat.

Wir müssen die Köpfe aus dem Sand holen und uns anhören, was Muslime zu sagen haben, ihre Einladungen annehmen, auch wenn das unbequem ist und man einige Stunden seines Feiertages opfert. Muslime dürfen sich auch nicht entmutigen lassen und müssen sich weiter hoffnungsvoll um Akzeptanz bemühen. Nur so kann man Ängste und Frust abbauen und eine gemeinsame Zukunft aufbauen.

 
Materialheft:
Gliederung 2010
Autorin:
Nurhan Soykan
Weitere Informationen:

Nurhan Soykan ist Pressesprecherin des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZDM), Mitglied der AG TOM des Koordinationsrats der Muslime (KRM) und Mitglied im Ökumenischen Vorbereitungsausschuss.

Kontakt:
Zentralrat der Muslime in Deutschland
Steinfelder Gasse 32
50670 Köln
sekretariat@zentralrat.de
www.zentralrat.de

Der Flyer steht unter
http://tom.zentralrat.de/2583.php zum Download zur Verfügung.