Film Die Klasse

 

Die neunte Klasse, die François an einer sogenannten Problemschule im Pariser Osten unterrichtet, ist ein ethnisch und sozial reichlich gemischter Haufen; Hoch- und weniger Begabte, Schüler jeder Couleur teilen hier die Bank. Wenn es gut läuft, gelingt es François, den 14- oder 15-Jährigen ein knappes Selbstporträt abzuringen. Wenn es schlecht läuft, schicken sie seine Konjunktivkonstruktionen ins Nirvana: »Niemand redet so!« Nach einem Roman des ehemaligen Lehrers François Bégaudeau (der auch im Film den Lehrer spielt) hat Regisseur Laurent Cantet in seinem Film eine lose Szenenfolge arrangiert, die ausschließlich in der Schule spielt – und den Zuschauer mitten hinein nimmt in den jugendlichen Alltags. Mit Schülern einer Pariser Schule wurden die Figuren in Workshops erarbeitet und dabei eine atemberaubende dokumentarische Unmittelbarkeit erzielt. Wie im Vorbeigehen stellt der Film Fragen, die auch das deutsche Publikum beschäftigen: Was kann unser westlicher Bildungskanon in einer Welt kultureller Diversität noch bedeuten? Wie hängen Sprache und Weltbild zusammen? »Die Klasse« entfaltet subtile Spannung, aber auch eine schöne Offenheit. Unterschiedliche Wertsysteme dürfen hier koexistieren, sich aneinander reiben, miteinander wachsen. Mit Hilfe eines Lehrers, der auf Augenhöhe mit seinen Schülern darum kämpft, dass sie ihre Chance nicht verpassen.

Regie: Laurent Cantet  |  Drehbuch: Laurent Cantet, François
Bégaudeau, Robin Campillo  |  Frankreich 2008

 
Materialheft:
Gliederung 2010
Schlagworte:
Weitere Informationen:

(Film des Monats der Jury der Evangelischen Filmarbeit, Januar 2009)