Mittendrin statt nur dabei

 
Bayreuth: Kulturpatenschaften sollen Asylbewerber gesellschaftlich einbinden
Als Zaungäste verkleidete Menschen schauen durch den Zaun des Bayreuther Asylbewerberheims - Foto: Inse Kerner

Asylbewerber sind häufig gesellschaftlich isoliert und haben kaum Gelegenheit, am kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen. Das soll die Aktion »Kulturpaten« verdeutlichen. Um die Situation der Asylbewerber zu verändern, sollen Paten gefunden werden, die ihnen die Teilnahme am kulturellen Leben ermöglichen sollen. Als Auftakt dazu diente ein Straßenfest.

Döner, Bierbänke und Limonade – dieses Mal wurde keiner ausgeschlossen. Beim Straßenfest vor dem Asylbewerberheim in der Wilhelm- Busch-Straße trafen sich Asylbewerber und Bayreuther Bürger, um gemeinsam zu feiern und um Kulturpaten zu finden. Kulturpate kann jeder werden, der das Leben von Flüchtlingsfamilien oder Kunden der Bayreuther Tafel kulturell bereichern will. Für die Umsetzung gibt es bereits viele Ideen. Veranstalter und Vereine können Restkarten als Freikarten abgeben. Abonnementkarten, die nicht in Anspruch genommen werden, können bei der Bayreuther Tafel abgegeben werden. Die Idealvorstellung der Aktion »Kulturpaten« wäre, dass Bürger Asylbewerber und vor allem auch deren Kinder persönlich zu einer Veranstaltung einladen und mitnehmen. 

»Eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben bleibt den meisten Hartz-IV-Empfängern verwehrt«, sagte Bernhard Christoph, Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Das soll sich mit der Aktion ändern. Bereits während des Festes konnten sich Interessierte Karten für eine Veranstaltung in der Stadthalle sichern. Christel Stein, Initiatorin der Gruppe »Bunt statt braun«, betonte, dass das Straßenfest eine Gelegenheit zum Feiern, aber auch zum Nachdenken sei.

Der Zaun vor dem Asylbewerberheim zeigt bereits verschiedene Installationen. Die Situation der Asylbewerber wurde etwa durch Figuren, die mit Ferngläsern durch den Zaun nach außen schauen, verdeutlicht – »Zaungäste« heißt die Installation. Beim Straßenfest konnten Kinder ein Plakat bemalen, um den Zaun vor dem Asylbewerberheim weiter zu verschönern. Viele Heimbewohner nahmen an dem Fest teil. Ein Dolmetscher übersetzte die Grußworte auf Arabisch und Kurdisch. Neben der Vorstellung von »Kulturpaten« gab es noch Tänze und Musik aus verschiedenen Kulturen zu sehen. Und Klaus Wührl ermutigt mit einem Kabarettauftritt die Asylbewohner, die deutsche Sprache zu lernen.

 
Materialheft:
Gliederung 2010
Autorin:
Ines Kerner
Weitere Informationen:

Aus: Nordbayerischer Kurier, 29. September 2009