Flüchtlinge: Woelki will sich nicht aufhalten lassen. Die Flüchtlingsboot-Aktion ist beendet. Nicht jeder fand sie gut. Doch für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist noch lange nicht Schluss. Er übt erneut scharfe Kritik an Deutschland und Europa.

 

06.11.2017, Bonn, Erzbistum Köln: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Flüchtlingsboot-Aktion des Erzbistums beendet und das Gefährt dem Haus der Geschichte in Bonn übergeben. Das sieben Meter lange Boot werde dort im Zentrum der aktualisierten Dauerausstellung stehen, teilte der Kardinal am Sonntag in der Kirche Sankt Elisabeth in Bonn mit. Als Ausstellungsobjekt versinnbildliche es eines der Dramen unserer Zeit.

Er habe vorher nicht gedacht, dass das Boot eine solche Wirkungsgeschichte entfalten könne, sagte Woelki. Er hatte das Boot, das von der maltesischen Armee bei einem Rettungseinsatz beschlagnahmt worden war, im Mai 2016 von Malta nach Köln bringen lassen. Bei der Fronleichnamsmesse in Köln diente es als Altar. Ein Bild, dass um die Welt ging, so der Kardinal. Anschließend reiste das sieben Meter lange und 800 Kilogramm schwere Gefährt ein Jahr lang unter dem Motto "Alle in einem Boot" durch das Erzbistum und warb für Solidarität mit Flüchtlingen. Dabei machte es in 14 Pfarrgemeinden, Schulen und anderen kirchlichen Einrichtungen Halt. Außerdem war es in einer Sonderausstellung in Hannover zu sehen. Den Abschluss bildete die Station in der Bonner Kirche St. Elisabeth.

"Christus sitzt mit im Flüchtlingsboot", betonte Woelki. Gott identifiziere sich zudem mit jedem Menschen. Er sei mitten unter den Bootsflüchtigen. "Zehntausende weitere werden sterben, wenn wir nicht jetzt etwas tun", mahnte der Kardinal. Er kritisierte fehlende gesellschaftliche Empörung angesichts der Menschen, die weiterhin auf der Flucht ertrinken. Es herrsche eine "Normalität des Grauens". Kritik für sein Engagement habe er zur Kenntnis genommen, sagte Woelki. Er werde sich davon nicht aufhalten lassen. Das sei für ihn eine Frage der Überzeugung und der Glaubwürdigkeit der Kirche.

Woelki: Deutschland und Europa wollen sich abschotten

Deutschland und Europa wolle sich abschotten und die Situation "totschweigen". Es werde signalisiert, "wir haben alles fest im Griff", so Woelki. Dabei sei zu befürchten, dass die aktuelle Flüchtlingssituation nur "die Spitze des Eisbergs" darstelle. Woelki appellierte an die Bundesregierung, legale Wege der Einreise zu schaffen, damit Asylsuchende nicht weiter auf die lebensgefährliche Flucht angewiesen seien. Darüber hinaus sei ein Einwanderungsgesetz notwendig, das Menschen auf der Suche nach Arbeit und Zukunft Chancen eröffne.

Der Direktor des Hauses der Geschichte, Hans-Walter Hütter, nahm das Boot in Empfang. Es wird demnach ab 11. Dezember in der neu gestalteten Dauerausstellung zu sehen sein, die verstärkt internationale Themen berücksichtigt. Im Kontext Flucht und Migration stelle das Boot einen Bezug von der Vergangenheit zur Gegenwart bis in die Zukunft her, sagte Hütter. (bod/KNA)

 
Datum:
06.11.2017
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