Die Diakonie appelliert an die Politik, die Aussetzung des Familiennachzuges von subsidiär geschützten Flüchtlingen sofort zu beenden.

 

29.03.2017, Berlin, Diakonie: "Wer aus wahltaktischer Opportunität verhindert, dass Geflüchtete ihre engsten Angehörigen nachholen, darf sich nicht über schwerwiegende Folgen wie Desintegration wundern", sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie anlässlich des heutigen Koalitionsgipfels, bei dem die Regierungsparteien über eine Verlängerung oder Beendigung der Aussetzung diskutieren.

"Familie ist der Ort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen. Die Ungewissheit,  wie es ihren Angehörigen geht und ob sie noch leben, macht Flüchtlinge krank. Sie haben kaum die Kraft, die Herausforderungen ihrer Integration in Deutschland anzugehen", erklärt Lilie.

Daher sei es nicht nur aus humanitären Gründen geboten, den Familiennachzug zuzulassen, sondern integrationspolitisch geradezu notwendig. "Bisher wurde noch kein einziges Visum nach der Härtefallregelung erteilt, nicht einmal für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, obwohl dies vor einem Jahr vereinbart wurde, um besonders schwere Schicksalsschläge abzuwehren", kritisiert Lilie.

"Dieser problematische Wandel in der Flüchtlings- und Integrationspolitik ist sehr kurzsichtig. Die große Koalition der Unwilligen setzt damit ein schlechtes Zeichen, nicht zuletzt für viele Haupt- und Ehrenamtliche, die weiterhin hochengagiert am Gelingen der Integration arbeiten. Desintegration, drohende Radikalisierung aus Verzweiflung und Demotivation von vielen Engagierten sind die hohen Preise, die wir zahlen werden, wenn wir die Familien dauerhaft getrennt halten", betont Lilie.

Den Themenschwerpunkt Familienzusammenführung der Diakonie finden Sie unter https://info.diakonie.de/alle-themen/flucht-und-migration/familienzusammenfuehrung/

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